In die Berufspraxis eingetaucht
Wieder große Resonanz auf die 31. Lehrer-Info-Tage der HwK Koblenz
Insgesamt 400 Lehrer nutzten in diesem Jahr das Angebot der HwK Koblenz, um sich bei den 31. Lehrer-Info-Tagen (LIT) erneut ein Bild vom lebendigen Handwerk zu machen, um Berufsorientierung in Handwerk und Wirtschaft für sich und ihren Unterricht zu gewinnen.
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| Auftakt der 31. Lehrer-Info-Tage mit Staatsministerin Doris Ahnen: „Die gleichberechtigte Teilhabe von Migranten an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens muss gesichert werden.“ |
„Interkulturelles Lernen in Schule, Ausbildung und Berufswelt – Anspruch, Wirklichkeit, Perspektive“, lautete das Thema der Auftaktveranstaltung mit der rheinland-pfälzischen Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Doris Ahnen. HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag und Hauptgeschäftsführer Dr. h. c. mult. Karl-Jürgen Wilbert hatten zuvor die traditionsreiche Veranstaltung eröffnet. „Die gleichberechtigte Teilhabe von Migranten an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens muss gesichert werden. Jeder Mensch hat ein Recht auf Positionierung in unserer Gesellschaft, unabhängig von Geschlecht, Rasse oder ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung. Durch Erziehung und Bildung muss es gelingen, dass kein Platz für Fremdenfeindlichkeit und Extremismus jeder Art bleibt“, so die Bildungspolitikerin am ersten Tag.
„Zuwanderung stellt die Gesellschaft vor Herausforderungen, andererseits müssen ihre Vorteile und Chancen verstärkt wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und der Globalisierung müssen Zugewanderte und Einheimische noch stärker voneinander profitieren“, betonte Ahnen. Ihrer Meinung nach solle die „Mehrsprachigkeit aller Kinder und Jugendlichen gepflegt und erweitert werden“. Das betreffe sowohl „die deutsche Sprache als Schlüsselkompetenz für den Zugang zu Bildung und Erziehung als auch die Herkunftssprache“. Die Ministerin verwies auf besondere Sprachfördermaßnahmen, beispielsweise den Unterricht von Schülern mit Migrationshintergrund, der von den Schülern eine Rechenschaftslegung verlangt und jedes Kind mit einem Förderpass begleitet.
Früh an Beruf heranführen
Unter den zahlreichen Maßnahmen zur Berufsorientierung hob Ahnen den wöchentlichen Praxistag für Schüler in mittelständischen Unternehmen hervor, der derzeit in den Regionen Koblenz und Trier anläuft. Ziel des Modellversuches von Bildungsministerium, HwK und Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) ist es, sowohl den Schülern als auch den Schulen ein direktes Feedback aus der Praxis über einen längeren Zeitpunkt zu geben. Die Lehrer erfahren so, wo Verbesserungsbedarf im Unterricht aus Sicht der Ausbildungsbetriebe besteht. Gleichzeitig können die Betriebe einen potenziellen Lehrling beobachten. Die Handwerksbetriebe beklagen nicht zu unrecht fehlende Qualifikationen und Schlüsselwerte von Schülern zu Beginn einer Lehre. Im gemeinsamen Gespräch mit den Beteiligten kann dem entgegengesteuert und frühzeitig Reserven erschlossen werden.
Dr. med. Ezhar Cezarli, Vorsitzende des Deutsch-Türkischen Clubs in Frankfurt am Main, betonte, dass „Integration viel mit Gefühl zu tun hat“. „Man kann sie nicht erzwingen. Auf der einen Seite müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden. Andererseits muss die Integrationsbereitschaft der Zugewanderten stärker wachsen. Integration heißt sich einzubringen, auch sich in gewisser Weise ändern, zum Teil auch anpassen können. Integration heißt nicht Assimilation“, so Cezarli in ihrem Impulsreferat.
Von Praxis- bis Hochschultag
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| Hochschultag – Studieren ohne Abitur: Um die Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung ging es zum Abschluss der Lehrer-Info-Tage im Referat von Professor Dr. Rüdiger Falk von der Fachhochschule Koblenz. |
Auch in diesem Jahr testeten Lehrer das praktische Profiling in den Bereichen Holz, Metall, Bau, Friseur/Kosmetik und Verkauf. Ein Förderschul- und ein IT-Tag zählten ebenso zum Angebot der LIT. Themenbezogene Workshops mit HwK-Dozenten und praktisches Arbeiten garantierten neue Einsichten.
Zum Abschluss ging es um Studiengänge, die kein Abitur voraussetzen und das Duale Studium zum Gesellenbrief und zum Bachelor. Die HwK Koblenz plädiert für die grundsätzliche Öffnung der Hochschulen für Handwerksmeister und bundeseinheitliche Regelungen, die einen uneingeschränkten Hochschulzugang für Handwerksmeister garantieren. So wurden an der Fachhochschule Koblenz Duale Studiengänge entwickelt, in denen eine Berufsausbildung in der Elektro- und Informationstechnik mit einem Studium an der FH Koblenz kombiniert sind. Das Studium führt zum Hochschulgrad „Bachelor of Engineering“ in Elektrotechnik, Informationstechnik oder Mechatronik und kann an der Fachhochschule Koblenz zum „Master of Engineering“ fortgesetzt werden.
Kommunizieren – Gestalten – Fertigen
„Ich unterrichte Arbeitslehre und habe den Kunststoffworkshop gewählt, um Anregungen zu erhalten, die ich mit meinen Schülern in die Praxis umsetzen kann“, sagt Karl-Heinz Nick von der Regionalen Schule Puderbach (l. mit HwK-Ausbilder Günter Wendling). Ein Logo für die Hauptschule Zell hat Reiner Göderz im Workshop „3D-Scannen und -Plotten“ entworfen. „Es ist toll, neue Möglichkeiten am PC auszutesten.“
Chancen für Benachteiligte – Perspektive Förder(ungs)schulen
Im Workshop Hauswirtschaft, orientiert sich Marleen Kaiser (l. mit Mareike Teske), Berggartenschule Siershahn: „Ich arbeite schulisch in diesem Bereich und nutze den Tag als persönliche Weiterbildung.“ Elisabeth Bermel (r. mit Didovine Nsemon) von der Regionalen Schule NR-Niederbieber schaut sich im Workshop Friseur/Kosmetik um. „Schüler von mir möchten Friseur werden. Ich wollte mir daher vorab ein Bild von den Anforderungen in diesem Beruf machen.“
Hilfen zur Berufswahl
Über 50 Pädagogen verfolgen die Impulsreferate mit den Schwerpunkten Berufsorientierung und Informationsmaterialien für Schüler. Natascha Delgado, Regionale Schule Sinzig, baut im Workshop Metall eine Briefwaage. „Ich möchte hier einen Zugang zum Fach Arbeitslehre Technik finden“, nennt sie ihr Ziel. Die HwK-Berufsbildungszentren kennt sie von verschiedenen Besuchen mit ihren Schülern, zuletzt mit den Schülerzeitungsredakteuren.
Infos für Lehrer und Schulen
Die Lehrer-Info-Tage (LIT) sind ein Angebot für Lehrer aller allgemeinbildenden Schulen im nördlichen Rheinland-Pfalz, von der Sonderschule bis zum Gymnasium. Mitveranstalter sind die Schulaufsicht Koblenz bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und die fünf Agenturen für Arbeit im nördlichen Rheinland-Pfalz. 18.000 Teilnehmer besuchten bisher diese als Fortbildung anerkannten praxisnahen Info-Tage.
Informationen zu den LIT bei der Pädagogischen Anlaufstelle der HwK Koblenz, Tel.: 0261/ 398-324, Fax: -989, E-Mail: pa@hwk-koblenz.de, Internet:
www.hwk-koblenz.de