Bildung als Wettbewerbsvorteil
HwK-Vollversammlung gibt Impulse für Kammerarbeit und Qualifizierung im Handwerk
Im Vorfeld der Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation tagte die HwK-Vollversammlung. Das „Parlament des Handwerks“ im Kammerbezirk Koblenz fasste Beschlüsse zur Aus- und Fortbildung in mehreren Berufen, berief ehrenamtliche Prüfungsausschüsse und verabschiedete einstimmig den Haushalt für 2007 in Höhe von rund 22 Millionen Euro.
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| In Nachwahlen zum Vorstand der HwK beriefen die 32 Arbeitgeber- und 16 Arbeitnehmervertreter aus dem gesamten Kammerbezirk einstimmig den 45-jährigen Dachdeckermeister Kurt Krautscheid (l.), Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Rhein-Westerwald und selbstständiger Unternehmer in Neustadt/Wied, für die Arbeitgeberseite sowie den 31-jährigen Schornsteinfegermeister und Gebäude-Energieberater Oliver Heck (r.) aus Horhausen für die Arbeitnehmerseite. Präsident Karl-Heinz Scherhag gratulierte den Neuen. |
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| Die HwK-Vollversammlung tagte im Vorfeld der Eröffnung des neuen Kompetenzzentrums. |
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| „Pflichtlektüre“ für Handwerker in der Tagungspause: Mitglieder der Vollversammlung lesen Handwerk Special. |
HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag ging in seiner Ansprache auf die aktuelle positive Konjunkturlage im Handwerk ein, von der nach langen Jahren auch die Bau- und Ausbaugewerke profitieren. „Eine so hohe Zufriedenheit konnten wir zuletzt im Jahre 2000 ermitteln.“ Kritisch merkte er an, dass „selbst die gute Binnenkonjunktur und unerwartet hohen Steuereinnahmen die Entscheidung zur Mehrwertsteuererhöhung ab Januar 2007 nicht in Frage stellen“ und dass die Bundesregierung „gegen besseres Wissen und Warnungen aus Wissenschaft und Wirtschaft an dieser Entscheidung festhält“. „Höhere Steuern können wir jetzt wirklich nicht brauchen!“, unterstrich der Kfz-Meister aus Koblenz, zumal die bereits seit langem überfälligen Reformen der Unternehmens- und Erbschaftsbesteuerung auf sich warten ließen.
„Danke für Ausbildung“
Ein uneingeschränkt positives Fazit zog der Kammerpräsident aus den vielfältigen Initiativen der HwK für den Berufsnachwuchs, darunter auch die Großveranstaltungen zur Berufsorientierung, die alleine in diesem Jahr rund 10.000 Schüler, Eltern und Lehrer besucht hatten. Gemeinsam mit den Partnern aus Kammern, Arbeitsagenturen, Kommunen und Kirchen sei es gelungen, ein deutliches Plus an neu eingetragenen Lehrstellen und Einstiegsangeboten gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen - trotz deutlich höherer Schulabgängerzahlen. „Das Handwerk nimmt seine Verantwortung überdurchschnittlich wahr!“, drückte Scherhag seinen Dank an die ausbildenden Unternehmen im Kammerbezirk aus und erinnerte an den Festakt „Danke für Ausbildung“ mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos im Oktober, dem eine weitere Ehrung von Ausbildungsbetrieben und ehrenamtlichen Prüfungsausschüssen am 13. Dezember folgen werde.
Einstiegsqualifizierungen „sind noch keine Lehrstellen!“
Der Vizepräsident der Arbeitnehmerseite, Kfz-Meister Ulrich Ferber, befasste sich in seinen Ausführungen mit der Ausbildungssituation: „Einstiegsqualifizierungen sind noch keine Lehrstellen. Auf den vorbildlichen Anstrengungen des Handwerks dürfen wir uns nicht ausruhen, auch die Hoffnung auf die geburtenschwächeren Jahrgänge ist trügerisch. Es geht um die Fachkräfte, die wir im Handwerk selbst benötigen; dabei stehen wir in der Konkurrenz zur Industrie, die gerne unsere besten Kräfte abwirbt. Bildung ist der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg der Betriebe - das muss uns als Arbeitgeber wie -nehmer gleichermaßen umtreiben.“
Das neue Kompetenzzentrum für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation ordnete Präsident Scherhag in ein Netzwerk von Bildungseinrichtungen im Kammerbezirk ein. „Die rasanten Veränderungen in der Berufswelt eröffnen uns Chancen, die wir nutzen werden. Mit unseren Bildungszentren in Koblenz und in den ländlichen Regionen führen wir die Berufsbildung in neue Qualitäten.“ Qualifizierung sei heute mehr denn je der entscheidende Wettbewerbsvorteil für den einzelnen Handwerker wie für die Unternehmen. Damit das Handwerk seine vorbildlichen Leistungen in Aus- und Fortbildung sowie im Ehrenamt auch zukünftig erbringen könne, mahnte Scherhag eine engagierte Diskussion um Strukturreformen „von den Kammern über die Fachverbände bis zu den regionalen Innungen und Kreishandwerkerschaften“ an.
Einblicke in die Kammerarbeit
Die Vollversammlung befasste sich mit aktuellen Entwicklungen und Schwerpunkten der Arbeit im Kammerbezirk Koblenz. Die Anzahl der Mitgliedsbetriebe stieg im zurückliegenden Jahr um 172 auf 18.547. Das Gros der Zunahme entfällt dabei auf die zulassungsfreien Handwerke der Anlage B1 zur Handwerksordnung (HwO), die - wie vom Handwerk im Vorfeld der jüngsten HwO-Novelle befürchtet - tatsächlich zu mehr als 90 Prozent ohne jegliche Vorqualifikation im jeweiligen Beruf ausgeübt werden. Entsprechend niedrig ist hier die Lebensdauer der Betriebe. Dem steuert die HwK mit gezielten Qualifizierungsangeboten zur Existenzgründung und Unternehmensführung entgegen. Insgesamt weist der Qualifizierungsbereich eine zunehmende Nachfrage aus, sowohl im Bereich der Meistervorbereitung als auch in den anerkannten Fortbildungen hochspezialisierter Fachbereiche.
Solide Haushaltsführung
Edelsteingraveurmeister Erwin Pauly bescheinigte für den Rechnungsprüfungsausschuss der Kammer einen „sparsamen und klugen Umgang mit den Finanzmitteln“ für die einzelnen Haushaltstitel und eine einwandfreie Buchhaltung. Einstimmig entlastete die Vollversammlung sowohl den Vorstand als auch die Geschäftsführung. Ebenfalls ohne Gegenstimme wurden Ergänzungen des Gebührenverzeichnisses und der Haushalt verabschiedet. Der Kammerbeitrag wird nach zwei Jahren ohne Erhöhung ab 2007 der allgemeinen Kostensteigerung moderat angepasst.
Die Arbeitgeber- und -nehmervertreter des Handwerks nahmen Rahmenlehrpläne für die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in mehreren Handwerksberufen sowie für Fortbildungsprüfungen einstimmig an, die der Berufsbildungsausschuss der Kammer vorgelegt hatte. Nach Genehmigung durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz als zuständige Aufsicht und Veröffentlichung im amtlichen Mitgliedsorgan der HwK, Deutsches Handwerksblatt, treten die Beschlüsse der Vollversammlung in Kraft.
Informationen zur Vollversammlung bei der HwK-Pressestelle, Tel.: 0261/ 398-161, Fax: -996, E-Mail: presse@hwk-koblenz.de, Internet:
www.hwk-koblenz.de