Handwerk hinter Klostermauern: Vom Holzkreuz bis zur Glocke
In den Werkstätten der Benediktinerabtei Maria Laach fertigen Handwerker hochwertige Kunst- und Gebrauchsgegenstände – Lebensunterhalt für die Mönchsgemeinschaft und Eigenversorgung für die Abtei
Ein Kloster, das Jahr für Jahr Tausende von Besuchern in seinen Bann zieht, feiert dieser Tage ein stolzes Jubiläum: Vor genau 850 Jahren weihte Erzbischof Hillin aus Trier die Abteikirche ein.
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| Die Abteikirche von Maria Laach in einem Relief aus der Werkstatt von Malermeister Bruder Joseph Belling. |
Doch das direkt am Laacher See gelegene Kloster war in all den Jahren weit mehr als ein Ort, an dem gottesgläubige Menschen durch Gebet und Gesang Gott verehren.
Gemäß dem benediktinischen Grundsatz „Ora et labora“ spielte die Arbeit, der Broterwerb, immer eine wichtige Rolle im klösterlichen Zusammenleben. Schon in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Maria Laach ein bedeutender Wirtschaftsstandort in der Region und noch heute verfügt die Abtei über eine eigene Kunstschmiedewerkstatt, einen Steinmetzbetrieb und seit wenigen Jahren sogar über eine Glockengießerei, deren tonnenschwere Erzeugnisse selbst in Südafrika die Gläubigen zur Kirche rufen.
Weitere Themen:
Der Tischler, der die Glocken gießt – Bruder Michael Reuter
Malermeister, Kunstmaler, Händler – Bruder Joseph Belling
Grabsteine für die Mönche
Eigenes Wasser, eigener Strom
Auch muslimische Handwerker sind im Kloster willkommen
Arbeit für mehr als 200 Menschen
In ihren Betrieben erwirtschaften die Mönche einen Großteil ihrer Einkünfte selbst
Landwirtschaft, Fischfang, Handel und Handwerk: Die Benediktinerabtei Maria Laach war immer auch ein Ort, der im Wirtschaftsleben in der Region zwischen Andernach und Mayen, Koblenz und Bad Breisig, eine wichtige Rolle spielte.
Damit einhergehend ist das Kloster bis heute ein bedeutsamer Arbeitgeber für zahlreiche Menschen aus den umliegenden Orten geblieben: Rund 200 Beschäftigte, darunter etwa 30 Lehrlinge, gehen zurzeit in Maria Laach ihrer Arbeit nach. „Unsere Abtei ist wie ein mittelständisches Unternehmen tätig“, betont Pater Prior Petrus Nowack, der „zweite Mann“ im Kloster.
Für den Stellvertreter von Abt Benedikt Müntnich stellen die Erträge der klostereigenen Betriebe nicht weniger als „das wirtschaftliche Fundament“ von Maria Laach dar. Diese wurden nach und nach aufgebaut, um den Unterhalt sowie die vielfältigen Aufgaben wie den Gottesdienst, die Seelsorge, die Versorgung der Gäste oder die Unterhaltung der Kirche und anderer Gebäude finanzieren zu können. Eine besondere Bedeutung misst Pater Prior Petrus dabei dem Handwerk bei. „In Maria Laach hat die Ausübung des Handwerks eine reiche Tradition, was sich in den vielen Tätigkeitsbereichen zeigt.“
Knapp 20 Handwerker beschäftigt das Kloster derzeit, Metallbauer sind ebenso darunter wie Elektroinstallateure, Tischler, Maler oder Steinmetze. Als jüngster und gänzlich neuer Betrieb kam vor sieben Jahren eine eigene Glockengießerei hinzu, deren Glocken Christen in aller Welt zum Gottesdienst rufen.
Pater Prior Petrus: „Im benediktinischen Mönchsleben hatte die Arbeit schon immer einen hohen Stellenwert. In der Benediktsregel wurde etwa der Tagesablauf durch ein ausgewogenes Verhältnis von Gebet, Lesung und Arbeit gegliedert. Dabei war es auch möglich, dass vorhandene Begabungen in handwerklichen oder künstlerischen Arbeiten zur Entfaltung kommen konnten.“