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Ab dem Jahrgang 2008 ...

... setzt die Handwerkskammer Koblenz die Onlineausgabe von Handwerk Special als E-Paper um.

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Jahrgänge 1997 - 2007

Die Jahrgänge 1997 bis 2007 stehen in der bisherigen Form zur Verfügung. Die Beiträge sind nach Jahrgang und Ausgabe mit Inhaltsübersicht gegliedert.

Zu erreichen sind sie über

archiv.handwerk-special.de

Wert der Familie für Kinder unersetzbar

Exklusivinterview mit dem Trierer Weihbischof Jörg Michael Peters

Im Rahmen eines Informationsgespräches mit Experten der Handwerkskammer Koblenz und Handwerksunternehmern machte sich Weihbischof Jörg Michael Peters Anfang September ein Bild von der Lebendigkeit des Handwerks, insbesondere von der Ausbildungssituation im nördlichen Rheinland-Pfalz. "Handwerk im Herbst" hat den Weihbischof zum Interview in Trier getroffen. Kurz vor seiner Abfahrt zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz nach Fulda findet er Zeit für ein Gespräch. Es geht um Werte, um die Rolle der Familie bei der Persönlichkeitsfindung junger Menschen und um das Religiöse im kulturellen und gesellschaftlichen Bereich.

Foto: Weihbischof Jörg Michael Peters suchte im Rahmen seines Besuches im HwK-Metall- und Technologiezentrum das Gespräch mit Lehrlingen, wie hier in der Kfz-Werkstatt.
Weihbischof Jörg Michael Peters suchte im Rahmen seines Besuches im HwK-Metall- und Technologiezentrum das Gespräch mit Lehrlingen, wie hier in der Kfz-Werkstatt.
Was ist ein Weihbischof?
Weihbischof ist die deutsche Bezeichnung für den Auxiliarbischof (lat.: auxiliar = helfend, Hilfsbischof) in der Katholischen Kirche. Weihbischöfe sind den Diözesanbischöfen zur Seite gestellt und vertreten den Diözesanbischof bei Weihehandlungen, am häufigsten bei der Spendung der Firmung. Weihbischof Jörg Michael Peters ist zuständig für den Visitationsbezirk Koblenz, der aus den zum Bistum gehörenden Gebieten des Kammerbezirks umfasst.

Wie sieht der Arbeitsalltag eines Weihbischofs aus?

Jeder Tag ist anders. In der Regel stehe ich kurz vor 6 Uhr auf, höre Nachrichten und feiere, wenn ich nicht im Bistum unterwegs sein muss, um 7 Uhr die Heilige Messe im Dom. Ich besuche Einrichtungen und Gemeinden, für die ich zuständig bin, spreche mit den Menschen, feiere Gottesdienst oder beschäftige mich am Schreibtisch mit Korrespondenz und Unterlagen, die zur Beratung anstehen. Es gibt Konferenzen und Besprechungen. Da mein Dienstbereich von meinem Wohnort Trier ein ganzes Stück entfernt ist, habe ich immer noch eine Fahrtstrecke von bis zu 180 Kilometern vor mir. Dann wird es schnell einmal 23 Uhr. Fernsehen brauche ich dann nicht mehr. Im Auto, ich werde ja meist gefahren, lese ich allerdings viel. Es ist einerseits Bürozeit zum Vor- und Nacharbeiten, aber es bleibt auch Zeit für private Lektüre. Zuletzt habe ich ein Buch von Stefan Kiechle gelesen. Ein junger Jesuit erzählt darin spannend zu Themen wie "sich entscheiden" oder "Leitung" wahrnehmen.

Welche Prioritäten setzen Sie in Ihrer Arbeit?

Ich will den Verkündigungsdienst, für den ich bestellt bin, mit Leidenschaft und Überzeugungskraft wahrnehmen. Christ zu sein ist eine großartige, wunderbare Sache. Das möchte ich transparent machen. Dazu gehört auch die Spendung der Sakramente. Ich erlebe immer wieder, wie gerade junge Menschen mir sehr offen begegnen, etwa wenn ich zur Firmspendung komme. Mir ist wichtig wahrzunehmen, was die Menschen bewegt und sie mit Hoffnung und Zuversicht auf ihrem Weg zu begleiten.

Sie haben kürzlich anlässlich Ihres Besuchs bei der HwK Koblenz spontan zum Schweißgerät gegriffen. Steckt in Ihnen auch ein Handwerker?

Ich bin Sohn eines Schlossers. Werkzeuge und Material waren bei uns zu Hause immer vorhanden. Die ersten Möbel für meine Studentenbude habe ich aus Vierkantrohren zusammengeschweißt. Dinge, die ich gelernt habe, indem ich meinem Vater über die Schulter geschaut habe.

Wann und warum haben Sie beschlossen, Ihr Leben in den Dienst der Kirche zu stellen?

Ich bin in einer sechsköpfigen Familie groß geworden und vom religiösen Vorbild der Eltern geprägt. Mit ihnen habe ich als Kind den Weg zur Kirche gefunden. Ich war Ministrant und habe mich später in der Jugendarbeit engagiert. Unser Heimatpfarrer hat mich früh zu Gesprächsrunden über theologische Themen eingeladen. Ich fand das spannend und erfüllend. Trotzdem habe ich bis zum Abitur mit mir gerungen, ob es mein Weg sein kann, mich ein Leben lang für diesen Dienst zu binden, aber auch weil ich mich selbst gefragt habe, ob ich gut genug dafür bin. Meine Eltern haben mich auf meinem Weg unterstützt, aber nie gedrängt.

Für welche Werte stehen Mutter und Vater für Sie?

Für Liebe und Zuwendung, Sinn für Gerechtigkeit, Fleiß. Sie waren für uns Kinder da. Wir sind nicht im Wohlstand groß geworden, haben aber andererseits auch nichts vermisst. Eltern stehen für die Gestaltung des Familienlebens, für das miteinander Umgehen, Ineinandergreifen, beispielsweise in Erziehungsfragen. Im Elternhaus habe gelernt, Verantwortung für Aufgaben zu übernehmen. Die Wertigkeit der Familie, wenn es darum geht, Kindern Sozialverhalten anzueignen und sich in einer kompliziert gewordenen Welt zurechtzufinden, ist für mich unersetzbar.

Welche Werte halten Sie für erstrebenswert?

Nächstenliebe, ein gesundes Selbstbewusstsein, das Achten der Würde des anderen, gerade auch da, wo es um religiöse Werte geht.

Berufsorientierung ist ein Thema, das vor allem junge Leute stark beschäftigt. Welche Frage sollte dabei die wichtigste Rolle spielen?

Ich denke, dass am Anfang eine idealistische Frage stehen sollte. Was kann ich, was will ich erreichen, wo möchte ich mich mit meinen Ideen und meiner Lebenskraft einbringen? Natürlich spielt die realistische Betrachtung eine ebenso entscheidende Rolle. Schließlich muss man ja Geld verdienen, um sich eine Existenz aufzubauen. Generell brauchen junge Menschen nach Abschluss der Schule die Ermutigung, das Leben und den Schritt in die Arbeitswelt anzunehmen. Sie brauchen die Chance, ihre Verlässlichkeit unter Beweis zu stellen, Entscheidungen fällen und Verantwortung tragen zu können. Sie müssen den Kick spüren und die Herausforderung spüren: ich habe eine Chance, die es anzunehmen gilt An dieser Stelle möchte ich das große Engagement der Handwerkskammer Koblenz hervorheben, jungen Leuten bei der Berufswahlentscheidung zu helfen. Die vielfältigen Angebote an Schüler, von Praxistagen über Schulfeste bis zu Informationsveranstaltungen für Schüler, Eltern und Lehrer, sind beispielhaft.

Die HwK führt gemeinsam mit den Kirchen Kampagnen pro Ausbildung durch. Die Aktion "Chancengarantie" soll jedem Jugendlichen, der lernen will und kann, noch eine Lehrstelle vermitteln. Warum engagiert sich die Kirche für die Ausbildung?

Wir müssen jungen Leuten vermitteln, dass sie wertgeschätzt sind und gebraucht werden. Deshalb ist es wichtig, dass wir sie mit vereinten Kräften in Ausbildung bringen. Es ist schlimm, wenn ein Mensch den Eindruck hat, überflüssig zu sein. Das ist vom Alter unabhängig. Deshalb wirkt die Kirche hier in vielfältiger Weise. Ich denke an die von Bischof Hermann Josef Spital 1983 im Bistum Trier gegründete "Aktion Arbeit", die Spendengelder sammelt, um Maßnahmen für Arbeitslose zu finanzieren. Arbeitslosigkeit ist nicht nur ein Problem der Betroffenen, sondern ein gesellschaftliches Problem. In gleicher Weise ist die von der Handwerkskammer Koblenz ins Leben gerufene Aktion eine reale Chance, jeden Ausbildungswilligen- und fähigen beim Einstieg in das Berufsleben zu unterstützen und ihm so bei der Entfaltung seiner Persönlichkeit zu helfen.

Die Deutsche Bischofskonferenz hat Sie zum Mitglied ihrer Jugendkommission bestimmt. Haben Sie eine spezielle Botschaft an die jungen Leute?

Gemeinsinn ist wichtig. Ganz gleich, ob Jugendliche in Sportvereinen, Musikvereinen oder innerhalb anderer Interessenbereiche zusammen sind, ihre Bereitschaft, gemeinsam Sinnvolles zu tun, Zeit nicht nur totzuschlagen, sondern selbst etwas auszurichten, ist etwas Großes. Ich wünsche mir, dass immer mehr Jugendliche bewusst auch Angebote innerhalb der Kirche vor dem Hintergrund des christlichen Menschenbildes, sei es bei den Pfadfindern oder beim Malteser Hilfsdienst, nutzen, um sich zu engagieren.

Welche Bedeutung räumen Sie dem Handwerk hinsichtlich der Vermittlung von Tugenden ein?

Ich denke, gerade in kleinen Handwerksunternehmen kommt es stark auf Verlässlichkeit an, darauf, im Team, Hand in Hand zu arbeiten. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind gerade im Umgang mit Kunden unerlässlich. Lehrling, Geselle, Meister, das Handwerk hat einen hohen Stellenwert, wenn es darum geht, menschliches Mit- und Füreinander aufzuzeigen und mögliche Entwicklungen im beruflichen Alltag deutlich zu machen. Ich habe hohe Achtung vor allen, die im Handwerk arbeiten.

In den HwK-Berufsbildungszentren lernen Handwerkslehrlinge unterschiedlicher Nationalität und Glaubens nebeneinander. In der Welt hingegen gibt es großes Konfliktpotenzial. Was verbindet Religionen? Was trennt sie?

Die augenblickliche Diskussion und die Spannungen anlässlich eines zunehmenden Islamismus wachsen nicht von unten. Sie werden importiert. Ich bin deshalb den Ausbildern und Meistern dankbar, wenn sie mir sagen, dass sie junge Leute mit anderer kultureller Herkunft gern integrieren. Wichtig ist es dabei, den Menschen mit unterschiedlicher Religion vorbehaltslos und respektvoll anzunehmen und mit ihnen im Gespräch zu sein. Voraussetzung ist natürlich, dass ich die Sprache des anderen verstehe. Ich kenne Beispiele dafür, wo das im Kleinen ganz gut, ja vorbildlich - auch in Betrieben- funktioniert. Auf der Weltebene gibt es für den Dialog der Religionen hingegen noch viel zu tun.

Die Menschen sind wohlhabender und auf vielen Gebieten freier als früher, aber weniger zufrieden und glücklich. Wo sehen Sie Ursachen dafür?

Ich glaube nicht, dass man so allgemein sagen kann, die Menschen seien freier und wohlhabender. Im Gegenteil, viele haben Existenzängste, fürchten um ihren Arbeitsplatz. Hinzu kommt, dass die Ansprüche heute größer geworden sind. Wir werden durch Angebote um uns herum verführt. Konsum allein macht nicht glücklich; Zufriedenheit hat immer etwas mit innerer Haltung zu tun.

Ein immer wiederkehrender Vorwurf lautet, dass die Kirchen sich leeren, weil den Menschen der Glaube an die Kirche durch Festhalten an überholten Traditionen erschwert wird. Teilen Sie diesen Vorwurf?

Ich bin überzeugt, dass das Image überholter Traditionen der Kirche in hohem Maß zu Unrecht übergestülpt wird. Neigt der Mensch nicht dazu, zunächst das benennen, was besser sein könnte. In vielen Zusammenkünften erfahre ich immer wieder, wie lebendig der Glaube gelebt wird. Und dennoch müssen wir stets neu nach Formen suchen, um den Menschen von der Schönheit des Glaubens und dem Befreienden eines auf Jesus Christus vertrauenden Lebens Zeugnis zu geben.

Sind Kirchen und Kapellen in der Moderne überflüssig? Diese Frage stellt sich vor allem in Zeiten finanzieller oder personeller Veränderungen, sie gipfelt in der Überlegung, ob sie nicht rational entbehrlich, wirtschaftlich ineffizient, überflüssig und damit verschenkter Raum und einzusparen sind.

Kirchen sind Plätze und Räume innerhalb unserer Städte und Dörfer, die frei von Modetrends und Kommerz gehalten werden. Aus meiner Zeit als Gemeindepfarrer weiß ich, dass sie von Menschen häufig nur für einen Augenblick aufgesucht werden, sei es für das Aufstellen einer Kerze oder ein stilles Gebet. Kirche kann auch für Menschen, die sie nicht regelmäßig besuchen, ein Stück Heimat bedeuten. Deshalb ist es bei allen aktuellen strukturellen Veränderungen wichtig, die Kirchen nach Möglichkeit als solch spirituelle Orte zu bewahren.

Es gibt kaum einen kulturellen und gesellschaftlichen Bereich, in dem man nicht Zeichen für eine Wiederkehr des Religiösen beobachtet. Worin sehen Sie Ursachen für die zunehmende Tendenz?

Das ist zunächst etwas Diffuses. Religiöses meint nicht unbedingt das Christliche. Und dennoch wird darin st eine Suchbewegung nach etwas Heilem, Heilenden deutlich. Es sind ganz elementare Bedürfnisse, auf die der Mensch sich neu besinnt: Liebe, Frieden, Geborgenheit, die Frage nach dem Sinn und die Hoffnung auf eine gute Zukunft. Die Sehnsucht strebt nicht nach Profit und Übervorteilung, nicht nach Konkurrenz und Zerstörung, sondern nach sozialer Gerechtigkeit. Die Kirche steht als Zeugin dafür, dass all unser Suchen nicht ziellos bleiben muss, sondern eine Antwort gefunden hat im Glauben an einen personalen Gott. Augustinus sagt, der Mensch bleibt unruhig, bis er Ruhe findet in Gott.

Was macht Ihnen derzeit am meisten Sorge in Kirche und Gesellschaft?

Die Hektik, in der das Leben sich vollzieht. Der Stress, aus dem man nicht mehr herauszukommen meint. Die wachsende Gleichgültigkeit und Aggression unter den Menschen. Ich meine, eine Entschleunigung tut not. Es gilt, die Chance des Sonntags wieder zu entdecken und ihn als Feiertag zu leben.

Wie begegnen Sie Stress, wobei können Sie am besten entspannen?

Manchmal schlucke ich ihn. Manchmal bleibt auch Zeit für Gartenarbeit. Beim Rasenmähen und Heckenschneiden kann ich gut entspannen. Es ist nur ein kleiner Kräutergarten mit einigen Tomatenstöcke und etwas Salat. Ich freue mich, alles wachsen zu sehen. Seltener komme ich dazu, eine Fahrradtour durchs Moseltal zu unternehmen.

Also streifen Sie mit ihrer Kleidung auch den Weihbischof ab und gehen privaten Hobbys nach?

Ich verkleide den Menschen Jörg Peters nicht, wenn ich das bischöfliche Gewand trage. Umgekehrt lege ich das Amt nicht ab, wenn ich Freizeitaktivitäten nachgehe. Beides gehört für mich zusammen. Ich stehe gern in diesem Dienst. Das Bedürfnis der Menschen, gerade auch dem Amtsträger zu begegnen und seine Stellungnahme zu persönlichen und gesellschaftlichen Dingen zu hören, ist groß. Das spüre ich.

Was treibt Sie an?

Mein Glaube. Die Tatsache, dass die christliche Welt den Blick öffnet auf die Menschen am Rand. Mich lockt der Hunger von Menschen im übertragenen Sinne. Das große Maß an Freude, die ich immer wieder erlebe, wenn ich bei Jugendlichen bin. Auch kirchenpolitische Themen, die manchmal missverständlich in den Medien dargestellt werden, spornen mich als Insider zu Stellungnahmen an.

Haben Sie menschliche Schwächen?

Ganz sicher. Ich bin ein Mensch, der den Duck braucht, dass ein Termin ansteht. Ich kann keine Gedanken auf Halde, beispielsweise eine Predigt für Weihnachten im Oktober produzieren. Ich bin ein emotionaler Typ und brauche Stimmungen. Und: Bei allem, was ich tue, bleibt oftmals das Gefühl, eigentlich noch mehr zu können und noch konzentrierter an die Aufgaben zu gehen.

Der Film "Die Dornenvögel" zeigt den Kampf, den ein junger Mann am Anfang seines Berufslebens zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zu einer Frau führt. Er entscheidet sich für Gott, macht Karriere in der Kirche, kann sich aber nie ganz von der Frau lösen. Sie haben äußerlich etwas von diesem Ralph de Bricassart. Kamen Ihnen je Zweifel an der Richtigkeit Ihrer Entscheidung?

Ich habe sie nie bereut. Eine Bemerkung zum Äußeren fällt schon mal, da gilt es, nicht eitel zu werden Ihr Pater Ralph bedient ein Klischee, er lebt in zwei Welten. Mit Gefühlen von Menschen darf man nicht spielen.

Schenken Sie uns eine Lebensweisheit.

Ich nehme meinen Wahlspruch zur Bischofsweihe: Gott ist treu. Die Treue Gottes bedeutet für mich Halt und Zukunft für mein Leben.

 
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