Ein Haus zum Wohlfühlen
Alles unter einem Dach: Leben und Wohnen in altem Gemäuer
„Es ist etwas ganz Besonderes, in einem denkmalgeschützten Haus zu leben, das bereits Anfang des 16. Jahrhunderts urkundlich erwähnt ist. Die Atmosphäre ist unbeschreiblich schön. Alte Häuser erzählen Geschichten, regen zum Träumen an. Wer mag hier wie gelebt haben“, so Astrid und Gerhard Pauly aus Meisenheim.
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| Das Haus der Familie Pauly nach der Restaurierung (oben) und eine historische Aufnahme (unten). |
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Das Ehepaar, ihre dreijährige Tochter und die Eltern von Astrid fühlen sich wohl in ihrem alten Haus. „Die finanziellen Aufwendungen zur Restaurierung des Kulturdenkmals waren nicht unerheblich. Meine Eltern waren jedoch ebenso begeistert von dem Objekt, dass sie ihren neu errichteten Alterswohnsitz verkauft, mit eingezogen und uns das Kapital zur Verfügung gestellt haben“, freut sich Astrid Pauly, für die das Wohnen von drei Generationen unter einem Dach einen „ganz besonderen Reiz“ hat. Nach seiner Restaurierung ist das Haus ein Schmuckstück im Ort, der malerisch in einer Biegung des Glans am nördlichen Rand des Westpfälzer Berglands liegt.
Schmuckstück
von außen und innen
Die Goldschmiedemeisterin und Diplom-Designerin und der Edelsteingraveur und Diplom-Designer Pauly nutzen das Haus auch zum Arbeiten. In ihrer Werkstatt im Erdgeschoss befindet sich ein kleiner, liebevoll gestalteter Verkaufsraum. Die Kunden können den Paulys bei der Anfertigung ihrer Objekte über die Schulter sehen. „Ich habe ein Faible dafür, Altes zu erhalten. Deshalb kam, als sich die Frage stellte, nur ein Haus mit Vergangenheit in Frage. Ich habe mich sofort in das ehemalige Amtsherrenhaus verliebt“, bekennt Astrid Pauly.
Im Zentrum für Restaurierung und Denkmalpflege der Handwerkskammer Koblenz in Herrstein hat sich die 37-Jährige zur Restauratorin im Goldschmiedehandwerk qualifiziert.
Gemeinsam die Restaurierung angepackt
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| Wege durch und in das Haus wurden durch verschiedene Handwerker restauriert. |
In dem denkmalerfahrenen Ingenieurbüro Gernot Zoller, das in Meisenheim schon zahlreiche Umnutzungen historischer Gebäude realisiert hat, fanden sie Ansprechpartner, die im denkmalgeschützten Haus das Wohnen und Arbeiten von heute ermöglichten. „Bauen und erhalten hat auch mit Herz und Gefühl zu tun und mit Aufmerksamkeit und Liebe. Man braucht sehr viel Engagement dazu, um ein altes Haus zu sanieren“, so Stuckateurmeister Raimund Engbarth aus Idar-Oberstein, der mit seinen 53 Mitarbeitern, darunter 10 Lehrlinge, auch in der Denkmalpflege arbeitet.
600 Arbeitsstunden hat Tischlermeister Dietmar Nessel aus Obermoschel in das Haus in Meisenheim eingebracht. „Ohne Mühe und Zeitaufwand geht es beim Erhalten und Erneuern alter Bausubstanz nicht“, sagt er. So entsprechen die Fenster mit glasteilenden Sprossen sowohl denkmalpflegerischen als auch sicherheitstechnischen Anforderungen. „Sprossenfenster wirken nicht wie Schaufenster, sondern vermitteln dem Raum Geborgenheit und Wärme. In ihrer historisch weißen Farbe passen sie sich der Fassade an“, sagt er. Auch die restaurierte Eingangstür kommt aus der Werkstatt Nessel.
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| Leben, wohnen, arbeiten unter einem Dach: Einblicke in den Verkaufsraum (links), den restaurierten Wohnbereich (Mitte) sowie die Werkstatt (rechts). |
Die Instandsetzung der historischen Holztragwerke fiel in den Aufgabenbereich von Zimmerermeister Christoph Schwarz aus Meisenheim. In Absprache mit der Denkmalpflegebehörde wurde das Dachgeschoss mit Dachgauben versehen. „Es ist anspruchsvoll und macht Spaß, alte Gebäude für die Zukunft zu erhalten“, so Schwarz.
Auf moderne Heiztechnik im alten Gemäuer brauchen die Bauherren nicht zu verzichten. Gas- und Wasserinstallateur- sowie Zentralheizungs- und Lüftungsbauermeister Alexander Müller aus Nußbach baute eine moderne Fußbodenheizung ein. „Immer mehr Bauherrn setzen auf diese Heizform. Sie hat den Vorteil, dass sie sich unsichtbar macht und keine Nutzfläche wegnimmt“, erklärt der Fachmann. Ein moderner Grundofen, intelligent unter der neuen Betontreppe platziert, beheizt in den Übergangszeiten das ganze Haus. Die Fußbodenheizung ist nur in den Wintermonaten gefordert. Müller installierte auch die im Hof untergebrachte Zisterne, die Brauchwasser sammelt. Müller, der auch Elektroinstallateurmeister ist, beschäftigt 10 Mitarbeiter, darunter drei Lehrlinge.
An Paulys Haus wird deutlich: Es lohnt sich, alte Bausubstanz zu erhalten und behutsam mit ihr umzugehen. Nicht nur den Eigentümern gefällt ihr Haus. Ein solches Schmuckstück kann getrost auch an die nächste Generation weitergegeben werden.
Steckbrief: Gerhard Pauly, Meisenheim
Goldschmiede und Edelsteingravuren | 1998 gegr. Meisterbetrieb | Tel.: 06753 / 96 48 88 | Internet:
www.pauly-art.de