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Ab dem Jahrgang 2008 ...

... setzt die Handwerkskammer Koblenz die Onlineausgabe von Handwerk Special als E-Paper um.

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Jahrgänge 1997 - 2007

Die Jahrgänge 1997 bis 2007 stehen in der bisherigen Form zur Verfügung. Die Beiträge sind nach Jahrgang und Ausgabe mit Inhaltsübersicht gegliedert.

Zu erreichen sind sie über

archiv.handwerk-special.de

Beinharter Friseur

Friseurmeister Richter und sein „schüsselndes“ Hobby

Wenn man so will, ist der Film-Epos „Werner“ ein Streifen des Handwerks. Da ist Werner, Lehrling in einem Installateurbetrieb, sein Meister Röhrig und Geselle Eckat. Was die Jungs so erleben, lässt sich größtenteils wirklich nur im Trickfilm umsetzen, denn nicht alles entspricht dem Idealbild eines rechtschaffenen Handwerksbetriebes ...

Foto: Friseurmeister Wolfgang Richter auf seiner Horex, Baujahr 1953, mit der er seit über 20 Jahren unterwegs ist.
Friseurmeister Wolfgang Richter auf seiner Horex, Baujahr 1953, mit der er seit über 20 Jahren unterwegs ist.
Foto: Markenzeichen: Horex
Markenzeichen: Horex

Die „Werner“-Filme begeisterten ein Millionenpublikum. Doch ein paar Leuten stockte der Atem. Film-Macher Rötger Feldmann alias Brösel hatte es in einer Sache zu weit getrieben, denn der schüsselnde Untersatz Horex steht zweifelsohne unter Artenschutz ...

Singhofen im Rhein-Lahn-Kreis: Alle 14 Tage trifft sich hier der Horex-Stammtisch, um die sieben Leute, die meisten von ihnen Handwerker. Eine lustige Truppe, darunter Friseurmeister Wolfgang Richter aus Nastätten. Es wird über Horex-Motorräder philosophiert, die nächsten Treffen mit befreundeten Clubs in ganz Europa besprochen, viel gelacht. Beim Stichwort „Werner“ ist allerdings schlagartig Ruhe am Tisch. „Er hat gesündigt“, sagt Horst Frielingsdorf, Rentner und zigfacher Horex-Besitzer. „Man schneidet nicht so wertvolle Dinge wie eine Horex auseinander, um vier Zylinderblöcke herauszunehmen und anderswo in Reihe wieder zusammenzusetzen. Das tut man wirklich nicht!“ Und fast schon im Werner-Slang folgt: „Das sind wertvolle Originalteile!“

Die Horex: Ab Mitte der zwanziger Jahre gebaut, zählte die Marke stets zu den modernsten Motorrädern „made in Germany“ weltweit. Die Technik war einfach, robust und immer auf dem neuesten Stand der Zeit. Mit verschiedenen Hubraumvarianten und Modellen hatte die Horex zahlreiche Fans – ob im Rennsporteinsatz, beim Reisen oder dem Familienausflug, was dank Seitenwagen kein Problem war.

Die gute alte Horex-Zeit verströmt auch heute noch dank handwerklich perfekt restaurierter Maschinen und ihrer engagierten Besitzer ein besonderes Flair. Vor über 20 Jahren ergriff der Virus Friseurmeister Wolfgang Richter. Seine erste Horex, Baujahr 1953, fährt er auch heute noch. Die weitesten Reisen bringen den Handwerker regelmäßig nach Norwegen zu den dortigen Club-Treffen. „Rund 40.000 Kilometer habe ich so in den Jahren zurückgelegt“, schwärmt der 49-Jährige und kann sich stets auf seinen Untersatz verlassen, der ihn dank guter Pflege und Wartung noch nie im Stich gelassen hat.

Keine Frage, dass er so oft, wie es das eigene Unternehmen und die Familie zulassen, mit dem unverkennbar knatternden Oldie auf zwei Rädern unterwegs ist.

Auf Tradition setzt Richter aber auch im Beruf. In der dritten Generation führt er das Friseurunternehmen, das seit 1961 in Nastätten zu Hause ist. Vom Vater ausgebildet, legte der Junior 1981 die Meisterprüfung ab und übernahm den Betrieb 1989. Zusammen mit vier Mitarbeiterinnen und Schwester Gudrun sorgt Wolfgang Richter für die richtige Frisur seiner Kundschaft, die aus einem Umkreis von bis zu 30 Kilometern kommt. „Ich kann mich auf ein Klasse-Team verlassen, auf Mitarbeiterinnen, die seit vielen Jahren im Unternehmen arbeiten“, spricht der Chef seiner Mannschaft ein dickes Kompliment aus. Sicher auch ein Grund, dass der Horex-Fan seinem Hobby („Die Kunden und das Unternehmen haben immer Vorfahrt!“) so leidenschaftlich nachgehen kann.

Steckbrief: Friseursalon Richter, Nastätten
1928 in Lübben (Spreewald) gegründet, seit 1961 in Nastätten| Damen- und Herrensalon| 6 Mitarbeiter| Tel.: 06772/ 5634

Das große Horex-Treffen
Am Pfingstwochenende werden 150 Horex-Maschinen und ihre Piloten zur 52. Internationalen Sternfahrt in Attenhausen erwartet: Vom 2. bis 4. Juni organisiert der Horex-Club Singhofen auf und um die Sportanlage in Attenhausen (Rhein-Lahn-Kreis; zwischen Singhofen und Limburg) das große Horex-Treffen, zu dem nicht nur um 150 Motorräder aus alter Zeit und ihre Fahrer aus ganz Europa erwartet werden, sondern auch Zweirad-Fans anderer Marken bis hin zu Familien, die das Flair alter Maschinen und des Festes drum herum genießen wollen. Für Verpflegung wird gesorgt, ein Festzelt samt Musik lädt am ganzen Wochenende zum Feiern ein.
Info-Tel.: Wolfgang Richter, 06772/ 6872.

Ritt auf der Adler - Erinnerungen von Karl-Heinz Pretz

Über die Region hinaus zählte das Koblenzer Unternehmen von Karl-Heinz Pretz zu den Top-Adressen, ging es um Arbeiten am legendären Motorrad-Typ „Adler“. Selbst aus Gießen oder Siegen schickten Werkstätten defekte Motoren nach Koblenz und wussten, dass sie in jedem Fall voll funktionsfähig wieder retour kämen. Seit Anfang der 50er Jahre leitete Pretz eine Adler-Vertretung - und fuhr natürlich selbst ein Zweirad dieser Marke. Eine Leidenschaft, der er auch im Adler-Club über 15 Jahre aktiv nachging. „Der Verkehr sah natürlich ganz anders aus als heute. Das Motorrad war reines Fortbewegungsmittel, und eigentlich haben wir uns alle nach dem ersten Auto gesehnt“, erinnert sich Karl-Heinz Pretz, selber Baujahr 1931.

Die eine oder andere Geschichte hat er mit der Adler erlebt. „Bei einer Sternfahrt verschwand einer im Straßengraben. Vorderrad, Gabel und Stoßdämpfer waren verbogen. Mit Kraft und Geschicklichkeit wurde es notdürftig wieder in Form gebracht. In langsamer Fahrt kam der Bruchpilot tatsächlich nach Hause.“ Pretz erinnert sich auch an jene, „für die sich dann irgendwann der Traum vom Pkw erfüllte, und die plötzlich mit dem vierrädrigen Untersatz zu Geschicklichkeitsfahrten im Adler-Club auftauchten. Wir waren großzügig, sie durften mitfahren. In Sachen Zuverlässigkeit sind die heutigen Motorräder um einiges besser. Damals 300 Kilometer am Stück ohne Panne zu fahren, war fast unmöglich. Heute gibt es eher körperliche Probleme beim Sitzen, doch dafür kann ja das Motorrad nichts“.

 
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