Handwerker, Unternehmer und Familienmensch
HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag feierte am 5. Mai seinen 70. Geburtstag
 |
| Ministerpräsident Kurt Beck (r.) gehörte am 5. Mai zu den ersten Gratulanten für HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag (l.) und seine Frau Helga. |
In einer Werkstatt-Garage begann sein Weg als selbstständiger Kfz-Mechanikermeister. In Güls an der Mosel reparierte der 22-jährige Karl-Heinz Scherhag Landmaschinen, Fahrräder und Autos. Das war 1959. Mit Willen und Durchsetzungsvermögen wurde aus dem Einmannbetrieb ein Erfolgsunternehmen, das heute 60 Mitarbeiter, unter ihnen 16 Lehrlinge, zählt und aus der Koblenzer Wirtschaftslandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Eine Erfolgsstory, geschrieben durch einen Mann, der nicht nur als Unternehmer seine Spuren hinterlassen hat.
Karl-Heinz Scherhag war 16 Jahre Innungsobermeister, 12 Jahre zeitgleich Kreishandwerksmeister. Seit 1988 ist er Präsident der Handwerkskammer Koblenz. In zahlreiche Ehrenämter hat er sich eingebracht. So war er u.a. Vorsitzender der Innungskrankenkasse Koblenz, Mitglied des Präsidiums des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Mitglied im Weltverband für das Kfz-Gewerbe (IOMTR), im Zentralverband des Deutschen Kfz-Handwerks und der Kreditgarantiegemeinschaft des rheinland-pfälzischen Handwerks. Karl-Heinz Scherhag ist Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes und des Goldenen Handwerksabzeichens.
Seit 1960 CDU-Mitglied, zieht Scherhag 1994 für zwei Legislaturperioden als Abgeordneter in den Deutschen Bundestag ein. Nach 16 Jahren als Mitglied des Koblenzer Stadtrates in verschiedenen Funktionen die Krönung als Kommunalpolitiker. In Berlin arbeitet er in den Ausschüssen für Finanzen, Bildung, Wissenschaft und Forschung. Als Mitglied des renommierten Wirtschaftsausschusses - und hier ist er Vorsitzender des Arbeitskreises der CDU -bringt sich Karl-Heinz Scherhag u.a. in die Novellierung der Handwerksordnung 1998 ein, die von allen Bundesländern einstimmig beschlossen wurde.
Am 5. Mai feierte Karl-Heinz Scherhag seinen 70. Geburtstag. Im Interview lässt er sein berufliches, politisches und privates Leben Revue passieren.
 |
| HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag im Gespräch mit Handwerk Special. |
Herr Scherhag, dürfen wir Ihnen vorweg ein Kompliment machen: Wie machen Sie es, dass man Ihnen die 70 Jahre nicht ansieht? Gibt es ein Rezept?
Scherhag (lacht:) Danke. Ein Rezept gibt es nicht. Es hält fit, wenn man sich geistig wie körperlich in den unterschiedlichsten Bereichen beschäftigt. Aktiv beispielsweise beim morgendlichen Schwimmen. Wenn möglich lege ich alle Wege zu Fuß zurück, steige lieber Treppen als mit dem Aufzug zu fahren. Ich lege Wert auf körperliche Arbeit, so im Garten. Auf der anderen Seite ist es eine Einstellungsfrage, wie man an alltägliche Herausforderungen herangeht, sei es im Unternehmen, dem Ehrenamt bis hin zum Leben als Familienmensch. Besonders genieße ich die Zeit mit meinen vier Enkelkindern und bin so oft wie es geht mit ihnen zusammen. Das hält jung. Wenn ich überhaupt ein Motto habe, dann das mit Freude, auch mit Genuss, aber kontrolliert zu leben.
Um es in der Sprache des Kfz'lers auszudrücken: Ist es an der Zeit, ein paar Gänge runterzuschalten?
Man muss immer das Tempo wählen, das gut für einen ist. Das ergibt sich aus der persönlichen Lebenssituation heraus. Als HwK-Präsident und Unternehmer hatte ich als Bundestagsabgeordneter eine zusätzliche Aufgabe übernommen, bei der ich jährlich fast 100.000 Kilometer mit dem Auto unterwegs war. Zeitlich bedeutete das einen 14- bis 16-Stunden-Job zwischen Koblenz und Bonn, später Berlin. Es war eine spannende Zeit, die mir bis heute viel bedeutet und Spaß gemacht hat. Doch mit dem Berlin-Umzug warf sich für mich die Frage auf: Ehrenamt und Unternehmen in Koblenz oder ausschließlich Bundestagsmandat in Berlin. Ich habe mich für Koblenz entschieden.
Stichwort Entscheidungen. Sie gelten als Mensch, der die Dinge selber in die Hand nimmt und nicht abwartet, wie sich alles so entwickelt ...
Ich gehöre überhaupt nicht zu den Leuten die sagen: "So ist es eben ...". Ich habe immer in dem Bewusstsein gelebt, dass es sich lohnt zu kämpfen. Insofern stören mich Situationen, die nicht optimal sind und wo keiner etwas dagegen unternimmt. Ein Satz dazu aus meinem eigenen Lebenslauf. Heute höre ich oft genug: Familie Scherhag, eigenes Unternehmen, alles in Ordnung. Doch auch zu Beginn meines beruflichen Lebens waren Ausbildungsplätze knapp, sodass ich aus dieser Zeit weiß, dass man sich als junger Mensch intensiv um seine eigene Zukunft kümmern muss. Auch als ich mich als Handwerksmeister selbstständig gemacht habe, war das nicht einfach. Dazu zählten auch harte Auseinandersetzungen mit Genehmigungsbehörden, was mich schließlich in dem Motiv bestärkt hat, in die Politik zu gehen. Mein erstes Unternehmen gründete ich in einer Garage, in der man heute leider durch Vorschriften bedingt keinen Betrieb mehr gründen dürfte. Mein Startkredit waren sage und schreibe 2000 DM. Um aus diesen Voraussetzungen das Unternehmen zu formen, für das heute anerkennende Worte gefunden werden, muss man die Ärmel hochkrempeln - damals wie heute!
 |
| HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag in seiner Kfz-Werkstatt im Gespräch mit Mitarbeitern. |
Eine Botschaft an die heutige Generation, optimistischer die eigene Zukunft anzupacken?
Auch das. Wir leben grundsätzlich nicht schlecht, doch haben wir uns an Dinge gewöhnt, die anderswo und auch hierzulande in früherer Zeit Luxus waren. Damit verbindet sich für mich eine geänderte Wertevorstellung, oft genug leider ein Werteverfall. Das gute Leben ist nicht jedem gut bekommen. Erleben wir dann wie jüngst Zeiten der wirtschaftlichen Korrektur, ist das Jammern eher wahrzunehmen als ein entschlossenes "Jetzt erst recht". Als Kammerpräsident freue ich mich dann aber auch, wenn die Botschaft der jungen Meister Selbstständigkeit lautet und eigene Zeichen setzt. Das bestärkt in dem Gedanken, dass sich Leistung, die richtige Einstellung und Qualifikation durchsetzen werden. Nicht zu vergessen: Sie lohnen auch!
Bei den Rahmenbedingungen dafür spielen Handwerkskammer wie auch Politik eine Rolle. Wie beurteilen Sie beide?
Als Unternehmer und Kammerpräsident kenne ich die Leistungen der Handwerkskammer ganz genau, treffe selber mit Entscheidungen, um das überdurchschnittliche Niveau zu halten bzw. weiter zu verbessern. Aus Gesprächen mit Betriebsinhabern und Politikern weiß ich um das hohe Ansehen der HwK Koblenz im Bundesvergleich und kenne auch die Meinung des Handwerkers um die Ecke. Wir brauchen uns nicht zu verstecken und haben mit dem Beratungs- und Dienstleistungsangebot unseren Anteil an einer guten Entwicklung des Handwerks im nördlichen Rheinland-Pfalz. Eine Leistung, die auf individuelle Ansprüche der Betriebe maßgefertigt geboten wird, direkt und unmittelbar dem Einzelnen zugute kommt. Als Bundestagsabgeordneter habe ich Einblick in politische Entscheidungsprozesse erhalten und sie selber mit geprägt. Auch heute noch stehe ich in ständigem Kontakt mit der Bundespolitik und ihren Entscheidungsträgern. Grundsätzlich sehe ich eine Verbesserung im Verhältnis Politik und Handwerk. Es gibt einen ständigen Dialog. So weiß jeder um das Machbare und die Ideale des anderen. Ein Verhältnis, dass nicht zuletzt durch einzelne Personen geprägt wird ...
... und damit auch durch Bundeskanzlerin Merkel. Was halten Sie von ihr?
Persönlich kenne ich sie seit meiner Zeit als Abgeordneter ab 1994 und schätze sie als offenen Menschen und umsichtige Politikerin. Sie hat Lebenserfahrung aus Ost und West, ist ehrlich und korrekt und bemüht, die Probleme der Menschen zu lösen. Deshalb habe ich immer sehr viel von ihr gehalten und sie unterstützt. Einfach ist ihre Aufgabe als Kanzlerin in einer großen Koalition sicher nicht.
 |
| Die ersten Tortenstücke gab's für seine Enkelkinder. HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag mit Wirtschaftsminister Hans-Artur Bauckhage und HwK-Ausbildungsmeister Joachim Schäfer. |
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Bundestagszeit?
Sehr gute. Das Gefühl, als aktiver Mensch an dieser entscheidenden Stelle etwas mitbewegen zu können, möchte ich nicht missen. Ich habe diese Chance genutzt und bin im Nachhinein sehr dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir in acht Jahren Bundestag boten. Außerdem habe ich Politik aus einer völlig neuen Perspektive kennen gelernt. Über die Parteien hinweg waren da Partner und Politiker, die ihre Aufgabe ernst genommen und mit viel Engagement gut erfüllt haben. Man muss fähig und willens für einen Konsens sein und den haben wir Partei übergreifend in den wichtigen Fragen auch meistens gefunden. Der Eindruck parteipolitischer Scharmützel dominiert aus meiner Sicht zu sehr das öffentliche Bild und wird in den Vordergrund gestellt.
Ihre Biografie ist eng mit dem handwerklichen Ehrenamt verbunden. Welche Gründe gab und gibt es für Sie, sich zu engagieren?
Es ist ähnlich wie in der Politik. Wer etwas verändern will, muss handeln. Das Ehrenamt bietet dafür nach innen wie auch nach außen gute Möglichkeiten, die ich als Innungsobermeister, als Kreishandwerksmeister wie auch als Kammerpräsident für das Handwerk stets genutzt habe. Ehrenamt nur mit Repräsentieren gleichzustellen ist falsch. Ehrenamt bedeutet volle Verantwortung zu übernehmen, nicht auf die Uhr zu sehen, immer ein offenes Ohr zu haben und über den Tellerrand hinaus zu blicken. Es bietet die Möglichkeit, Informationen aus erster Hand zu bekommen und sich entsprechend für das Handwerk und die Belange der Betriebe und Mitarbeiter einzusetzen. Voraussetzung ist, dass man selber mit Leib und Seele Handwerker und Unternehmer ist.
Was ist dem Menschen Karl-Heinz Scherhag persönlich wichtig?
Ich lege viel Wert auf ein faires und gutes Miteinander. Jeder sollte so mit seinen Mitmenschen umgehen, wie er es idealerweise auch selber erfahren möchte. Diese Frage des Umganges spiegelt sich positiv auch in anderen Lebensbereichen wider. Warum wird laut über die Gewalt unter Jugendlichen geklagt, darüber, dass Lehrer bedroht, Hauswände beschmiert werden? Die gleichen Jugendlichen kommen auch als Lehrling in die Betriebe, in die ÜLU und über Sondermaßnahmen in die Pädagogische Anlaufstelle der HwK und es funktioniert plötzlich. Warum? Weil die Meister, die Gesellen in den Handwerksbetrieben, die Mitarbeiter der HwK mit ihnen reden, ihre Probleme ernst nehmen und gemeinsam eine vernünftige Lösung suchen. Ein Erfolg, für den gegenseitiger Respekt Grundvoraussetzung ist.
Gibt es etwas, das Sie besitzen möchten, aber nicht für Geld kaufen können?
Gesundheit ist mir wichtig. Grundsätzlich bin ich ein zufriedener und glücklicher Mensch.
Wenn Sie zurückschauen: Gibt es etwas, was Sie anders machen würden?
Wer 1936 geboren ist und 65 Jahre "denkend" zurückblicken kann, erinnert sich noch an Bombennächte im Keller, an den Aufbau der Bundesrepublik, an die eigenen Aufbaujahre. Es war ein Auf und Ab, aber es war eine spannende Zeit. Ich freue mich über das Erlebte wie auch auf das Künftige und würde alles wieder so machen. Mein Fazit fällt insofern sehr zufrieden aus.
Welchen Wunsch wollen Sie sich unbedingt noch erfüllen?
Mit meinen Enkelkindern, mit meiner Familie segeln gehen. Ich bin leidenschaftlicher Segler und Opa!
Eine Frage an Sie als Sportbegeisterten. Wo landet die deutsche Fußballmannschaft bei der WM?
Ich bin kein Fußballfachmann, um den Leistungsstand der deutschen Nationalmannschaft zu beurteilen. Das überlasse ich lieber den vielen Bundestrainern im Land.
Thema Fußball: Auch 2006 rollt der Ball beim "Meisterschuss".
Ich finde dieses Ereignis der Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz eine tolle Sache, auf die ich mich wieder freue. Die Idee, den handwerklichen und sportlichen Leistungsgedanken zu kombinieren, ist ein Volltreffer. Das hat die Turnier-Premiere im vergangenen Jahr gezeigt und ich bin mir sicher, auch und gerade im WM-Jahr wird der Meisterschuss wieder ein Riesenerfolg. Ich kann wirklich nur jedem fußballbegeisterten Handwerker empfehlen, hier mitzumachen. Es macht Spaß, stärkt das Handwerk wie auch das freundschaftliche Miteinander und zu gewinnen gibt es auch etwas.
HS: Vielen Dank und Ihnen alles Gute!