Frühling in der Wirtschaft
HwK-Präsident: Belebung für das Handwerk
„Man spürt es, es geht wieder aufwärts. Anstelle der verhaltenen bis pessimistischen Stimmung der letzten Jahre im Handwerk ist eine optimistische Erwartung getreten. Teilweise ist die Stimmung besser als die Fakten. Es ist wie mit der gefühlten Temperatur und der gemessenen“, so HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag.
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| HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag |
Ausnahme bei der optimistischen Erwartungshaltung seien die Bau- und Ausbauhandwerke. Hier hätte sich die Auftragslage nicht spürbar belebt. „Der Wegfall der Eigenheimzulage wird beim Neubau die Nachfrage negativ beeinflussen. Im Bereich der Erhaltung und Modernisierung von Wohnraum wird der
Steuerbonus für Handwerksleistungen einen Beitrag zur Besserung leisten können“, betont Scherhag. „Insgesamt ist aber das Minikonjunkturprogramm der Bundesregierung nur ein kleines Trostpflaster für das, was am Jahresende auf uns zu kommen wird: die Erhöhung der Mehrwertsteuer.“
„Wir brauchen einen sich selbst tragenden Aufschwung in der Binnenwirtschaft. Die vorzeigbaren Exporterfolge der deutschen Wirtschaft helfen der inländischen und regionalen Wirtschaft nur indirekt und geben zurzeit nur wenige Impulse für die Stärkung der privaten Nachfrage. Insbesondere am Bau brauchen wir eine Belebung, denn rund 30 Prozent der Gesamtleistung des Handwerks entfallen auf diesen Sektor“, führt Scherhag seine Überlegungen weiter aus. „Wir sehen eine große Wirkung im Preiseffekt. Wenn die Realeinkommen nicht wie gewünscht steigen können, muss die Nachfrage durch Preissenkungen gestärkt werden. In vielen arbeitsintensiven, also lohnintensiven Handwerken sind die Preise nach unten aber ausgereizt. Die Mehrwertsteuer als Preisbestandteil bietet eine gute Möglichkeit.“
Innerhalb der EU bestehe das Angebot der Kommission, für arbeitsintensive Handwerksleistungen reduzierte Mehrwertsteuer einzuführen. Unsere Nachbarländer, insbesondere Frankreich, hätten diese Möglichkeit zur Belebung der Bauleistungen mit Erfolg genutzt. „Die Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf 5,5 Prozent führte zu einem Anstieg der Bauleistungen um 7 Prozent und zu zusätzlichen 50.000 Arbeitsplätzen“, so Scherhag weiter, „die hieraus entstandenen Steuereinnahmen und Einsparungen bei den Sozialleistungen überstiegen bei weitem die Ausfälle durch die reduzierte Mehrwertsteuer. Die Bundesregierung - die heutige wie die Vorgängerin - zeigt sich unbeweglich. 20 von 25 EU-Ländern haben es vorgemacht, dass ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz zu mehr Wachstum und vor allen Dingen zu mehr Beschäftigung führt.“ Der HwK-Präsident verweist auf eine Resolution der Vollversammlung des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks Mitte März, mit der das Handwerk die Bundesregierung eindringlich auffordert, von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.