„Wichtige Impulse für unsere Handwerksbetriebe“
HwK-Präsident begrüßt Vorhaben der Bundesregierung

HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag bringt seine Erfahrungen als ehemaliger Bundestagsabgeordneter in die aktuelle wirtschafts- und steuerpolitische Diskussion ein. |
Die Bundesregierung packt die Umsetzung der Vereinbarungen aus ihrem Koalitionsvertrag zügig an, die in Genshagen getroffenen Entscheidungen gehen als 25-Milliarden-Investitionsprogramm in das Gesetzgebungsverfahren.
Handwerk Special sprach mit HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag über die Bedeutung für das Handwerk.
Herr Scherhag, kommt das Unternehmen Deutschland in Bewegung?
Scherhag: Die Koalition in Berlin hat mit ihrem Regierungsprogramm hohe Erwartungen geweckt und legt ein erfreuliches Tempo bei der Umsetzung vor. Das Handwerk mit seinen kleinen und mittleren Betrieben braucht eine sinnvolle, konstruktive Politik, wie umgekehrt die Politik ein schlagkräftiges Handwerk benötigt. Die Betriebe sind es, die Arbeitsplätze und Lehrstellen zur Verfügung stellen, nicht die Politik. Sie muss die geeigneten Rahmenbedingungen schaffen. Die Koalition greift jetzt wichtige Forderungen aus der Handwerksorganisation auf. Sie sind wichtige Schritte zur Stärkung der Liquidität, der Ertragskraft und für den wirtschaftlichen Aufschwung der Unternehmen.
Wovon profitiert das Handwerk - und seine Kunden?
Bei der Gewinnung neuer Kunden und Aufträge kommt dem Handwerk die Ausweitung der steuerlichen Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen zugute, die rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten wird. Privathaushalte können bis zu 600 Euro im Jahr für Erhaltungs- und Modernisierungsaufwendungen von der Steuerschuld abziehen. Das ist ein deutliches Signal gegen Schwarzarbeit - für die Stärkung des Arbeitsmarktes und der Sozialsysteme. Die Betriebe profitieren ferner von verbesserten Abschreibungsbedingungen bei der Anschaffung von Maschinen. Die Bereitschaft zu investieren ist groß, belegen unsere Konjunkturumfragen. Jetzt gewinnen die Handwerker auch den finanziellen Spielraum dafür. Weiterhin profitieren sie von der Verdoppelung der Umsatzgrenzen bei der Ist-Versteuerung, d.h., sie führen die Umsatzsteuer erst an das Finanzamt ab, wenn der Auftraggeber die Rechnung begleicht. Feinarbeit erfordern geplante Vorhaben wie das Programm zur energetischen Gebäudesanierung. Der Renovierung und Sanierung bestehender Bausubstanz kommt angesichts der demografischen Entwicklung eine immer größere Bedeutung zu. Hier erwächst ein Zukunftsmarkt für die Bau- und Ausbauhandwerke, der den Wegfall der Eigenheimzulage durchaus kompensieren kann.
Die anstehende Reform der Erbschaftssteuer, durch die Betriebsübergaben steuerlich besser gestellt werden, sichert das Fortbestehen der Unternehmen und damit von Arbeitsplätzen. Im Zuge der für 2008 geplanten Unternehmenssteuerreform wird die Forderung des Handwerks aufgegriffen, Einzelunternehmer oder Personengesellschaft in einer Rechtsform neutralen Besteuerung mit Kapitalgesellschaften gleichzustellen. Davon profitieren rund 80 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe .
Bei so viel Licht wird es auch Schatten geben?!
Dazu zählt die beschlossene Erhöhung der Mehrwertsteuer, die das Handwerk und seine Kunden belasten wird. Auch die im Koalitionsvertrag zugesagte Überprüfung der Handwerksordnung werden wir einfordern. Unsere Befürchtungen, dass der Wegfall der Meistervoraussetzung für die Selbstständigkeit zu einer De-Qualifizierung führen würde, sind eingetreten. Wer sein Handwerk nicht erlernt hat, wird als Unternehmer nicht bestehen - und kann auch keine Lehrlinge ausbilden. Die Konsequenzen sind fatal für die Betroffenen und die Wirtschaft.